Chronik des Vereins
Die Gründungsphase
Treffen in Deutschland sieben oder mehr Personen zusammen, gründen sie einen Verein – so heißt es. Bei unserem Tennis-Club Blau-Gold Bonn e. V. war dies anders. Die Geschichte unseres Clubs begann damit, dass neun Tennisinteressierte, in Sachen „weißer Sport“ allerdings noch völlig unerfahrene, junge Leute am 6. August 1951 bei der Stadt Bonn den Antrag stellten, ihnen zwei Tennisplätze in der Gronau zu überlassen. Das Antragsdatum betrachten wir denn auch als Gründungstermin unseres Clubs.
Wie war es dazu gekommen? Hauptmotor war Hermann van Jüchems, damals gerade 24 Jahre jung. 1950, im selben Jahr, als er unsere unvergessene Sigrid geheiratet hatte, wurde er aus dienstlichen Gründen aus seiner Heimatstadt Norden nach Bonn verschlagen, zur Verkehrspolizei, für die damals noch wie für Polizeiaufgaben insgesamt bis in die Mitte der 50er Jahre die Städte und Gemeinden zuständig waren. Da in Bonn, trotz Vater Rhein, der geliebte Segelsport nicht in der von der Nordsee her gewohnten Atmosphäre möglich war, die sportliche Betätigung aber im Blut lag, musste etwas Passendes her. Zwei völlig verwahrloste Tennisplätze erweckten den Tatendrang des jungen van Jüchems. Sie lagen in der Gronau, unweit des Rheinufers in Höhe des Bismarckturmes und des damals noch sichtbaren Restes des Trajektes der Eisenbahnfähre, mit der Züge über eine Abzweigung von der linksrheinischen Staatsbahn kommend nach Oberkassel übergesetzt wurden. Zwischen Büschen und Bäumen neben dem Anwesen der Hohenzollernfamilie verborgen lag die eingefriedete Tennisanlage mit zwei Plätzen.
Die Anlage hatte vorher prominenten Persönlichkeiten gedient. Die Söhne des letzten Deutschen Kaisers Wilhelm II. - Jahrzehnte zählten Thronfolger und Prinzen der Hohenzollern zu den Studenten der Bonner Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität - gingen hier dem weißen Sport nach. Nach dem 2. Weltkrieg spielten Soldaten der belgischen Besatzungsmacht dort Tennis. Lange Zeit sich selbst überlassen waren die Plätze völlig verwahrlost. Mannshohe Sträucher und Unkraut überwucherten die Anlage. Lediglich die hohe Umzäunung und vier Netzpfosten erinnerten an die ursprüngliche Zweckbestimmung. Vom Maschendraht der Umzäunung rieselte schon bei leichter Berührung der Rost.
Doch das konnte die jungen Leute nicht schrecken. Zwar gab es in Bonn bereits Tennisvereine, in die man hätte eintreten können – wenn das Geld dafür gereicht hätte. Tennis war damals und noch bis in die 70 er Jahre eine elitäre Sportart. Dazu muss man die wirtschaftliche Situation der damaligen Zeit sehen. Der 2. Weltkrieg, den die Protagonisten unmittelbar miterlebt hatten, war gerade mal sechs Jahre zu Ende. Die Währungsreform vom 20./21. Juni 1948 lag nur drei Jahre zurück. Jeder Bewohner der Westzonen erhielt im Umtausch gegen 60 Reichsmark ein sog. Kopfgeld von 40 DM. Die schlimmsten, entbehrungsreichsten Nachkriegsjahre waren damit zwar überwunden. Allerdings war für den Normalbürger vom späteren Wirtschaftswunder noch nicht viel zu sehen. Der Entschluss des Freundeskreises, die Sache Tennisspielen und Tennisplatz selbst in die Hand zu nehmen, war also ausgesprochen mutig und Ausdruck hoher Selbstverantwortung in einer politisch und wirtschaftlich noch ungewissen Zeit.
Nachforschungen ergaben, dass die Liegenschaft der Stadt Bonn gehörte und der Schlüssel zu dem ebenfalls total verrosteten Türschloss beim damaligen Vorsitzenden des Postsportvereins Bonn, Solbach, abgeholt werden konnte. Bereits am 13. August 1951, gerade einmal eine Woche nach Antragstellung (nannte man das damals schon „bürgerfreundliche Verwaltung“?), stellte der Bonner „Stadtturnwart“ Detrois vom Amt für Jugendpflege und Leibesübungen die Plätze in der Gronau zur Verfügung. An der Benutzungserlaubnis (hier einfügen) erscheinen drei Aspekte bemerkenswert. Zunächst ist sie auf jederzeitigen Widerruf erteilt. Zum Zweiten ist besonders interessant die Bezeichnung des Nutzungsberechtigten: die Bonner Verkehrspolizei, z.Hd. Herrn van Jüchems. Dies deutet auf die Schwierigkeit der Stadt hin, mangels eines damals noch nicht rechtsfähigen Vereins einen geeigneten Vertragspartner zu finden, schließlich hatte die Verkehrspolizei für die Stadt den Charme der Seriosität. Und drittens wurde die Benutzungsgebühr von monatlich 5 DM erst ab 1. April 1952 fällig, was Rückschlüsse sowohl auf das Verhandlungsgeschick van Jüchems als auch auf den Zustand der Anlage zulässt.
So kann man sich auch heute noch vorstellen, welcher Aufwand notwendig war, um die Anlage spielbereit zu bekommen. Es galt, zunächst die Wildnis zu roden und die Platzdecke herzurichten. Auf dem Platz war wohl in früherer Zeit einmal ein Tennisbelag, der mittlerweile aber nicht mehr dafür geeignet war. Nach Bewässerung trocknete der Belag in kürzester Zeit aus. Von der benachbarten Ruine der im 2. Weltkrieg zerstörten ehemaligen Stadthalle wurde Tonerde herbei gekarrt, getrocknet, zerkleinert und nach und nach mit dem vorhandenen Belag gemischt. Marke: Mischung Eigenbau. Denn selbstverständlich erfolgte alles in Eigenhilfe. Die schmale Vereinskasse ließ gar keine andere Wahl. Die Aufnahmegebühr betrug nämlich 5 DM und der Jahresbeitrag für aktive Mitglieder 24 DM, zu zahlen in Monatsraten von 2 DM. Zeiten mit so niedrigen Beiträgen müsste es heute geben, mag man vielleicht denken. Doch damals gehörte jemand mit einem Monatsverdienst von 200 DM bereits zu den Besserverdienern.
Eine besonderes Problem war damals noch die Markierung der Platzlinien. Etablierte Clubs verwandten teure Bleibänder. Für uns unmöglich! Es wurde eine ebenso wirksame wie kostengünstige Lösung geschaffen. Man befestigte zwei Dachlatten im gewünschten Abstand miteinander und legte sie auf die Spielfläche. Mittels einer VIM-Dose, dem führenden Waschmittel der damaligen Zeit, konnte Kalk zwischen den Latten exakt auf die Plätze aufgebracht werden. Fertig war die Markierung. Natürlich war diese Prozedur regelmäßig zu wiederholen.Die Gründer
Wer waren nun die „Schöpfer“ unseres „Tennis-Clubs Blau-Gold Bonn e.V.“? Von zunächst dreißig Tennisinteressierten, zumeist Bedienstete der Bonner Verkehrspolizei, waren neun übrig geblieben. Da waren zunächst die Ehepaare Hermann und Sigrid van Jüchems sowie Hermann und Elfriede Rosenthal. Dazu kamen u.a. Bruno Dopierala und Herr Wiechert. Dass es ihnen in erster Linie um den Tennissport und nicht um den organisatorischen Rahmen ging, zeigt die „Form der Clubgründung“. Sie schufen nicht etwa einen „Verein“ oder einen „Club“. Sie nannten sich „Tennissportgemeinschaft Gronau“.
Zwei der Gründungsmitglieder gehören unserem Club noch heute an: die beiden „Hermann“ van Jüchems und Rosenthal. Hermann van Jüchems war von Anfang an treibende Kraft, Ideengeber und Vorsitzender unseres Clubs und blieb es fünfunddreißig Jahre lang bis zum Jahr 1986. Hermann Rosenthal übernahm vom ersten Tag an die wirtschaftliche Haushaltsführung und war in den ersten zwanzig Jahren umsichtiger Kassenwart.
